Auf welchem Wege erhalte ich in Finnland Auskunft über die Bonität meiner Kunden?

Informationen zur Bonität von Unternehmen sind in Finnland öffentlich einsehbar. Das Gleiche gilt bis zu einem gewissen Umfang für die Informationen über Privatpersonen. Dem finnischen Handelsregister können entgeltlich die Jahresabschlüsse der Unternehmen in Finnland entnommen werden, da die Verpflichtung besteht, jene zu veröffentlichen. Zusätzlich gibt es Unternehmen, die Kreditauskünfte über natürliche und juristische Personen geben können. Bei den finnischen Ämtern für Beitreibung und Vollstreckung können ergänzend Informationen zu Mahnverfahren und deren Ausgang gegen natürliche und juristische Personen eingeholt werden.

Wie geht eine außergerichtliche Mahnung in Finnland von statten?

Eine außergerichtliche Mahnung bietet in Finnland wie auch in Deutschland die Möglichkeit, einen Schuldner zur Zahlung zu bewegen oder ein Gerichtsverfahren vorzubereiten. Neben einem anwaltlichen Mahnschreiben und einer letztmaligen Zahlungsaufforderung, kann diese außergerichtliche Mahnung auch über das finnische Mahnverfahren oder das europäische Mahnverfahren vollzogen werden. Die beiden letzteren Verfahren sind unter Punkt 5 und 6 genauer erklärt.

Ist es möglich in Deutschland einen Vollstreckungstitel gegen meinen Schuldner in Finnland zu erwirken?

Sofern ein Gerichtsstand in Deutschland besteht, was schlichtweg bedeutet, dass vertraglich vereinbart wurde, dass in Deutschland geklagt werden kann oder sich dieser Umstand aus dem finnischen Gesetz ergibt, ist es auch möglich, einen Vollstreckungstitel in Deutschland zu erwirken. Wichtig ist in diesem Fall, dass die Klage sowie eine Übersetzung in einer der finnischen Amtssprachen und der erstrittene Titel dem Schuldner zugestellt werden muss. Gegebenenfalls ist es zudem auch notwendig, den Titel in Finnland für vollstreckbar erklären zu lassen. Titel über unbestrittene Forderungen in Zivil- und Handelssachen, vor allem Vollstreckungsbescheide, Anerkenntnis- und Versäumnisurteile sowie Prozessvergleiche und öffentliche Urkunden, müssen nach EG-Verordnung allerdings nicht erst in Finnland anerkannt werden, sondern können direkt vollstreckt werden.

Ist es mir des Weiteren auch in Deutschland möglich, ein Mahnverfahren gegen einen Schuldner aus Finnland einzuleiten?

Auch diesbezüglich gilt, dass im Falle eines in Deutschland bestehenden Gerichtsstandes (unter in Punkt 3 erläuterten Begebenheiten) die Einleitung des Mahnverfahrens auch in Deutschland möglich ist. Eine gegebenenfalls getroffene Vereinbarung hinsichtlich der Zuständigkeit deutscher Gerichte sollte dem Mahnantrag beigefügt werden.

Wie leite ich in Finnland ein Mahnverfahren ein?

Bedingung für die Einleitung eines Mahnverfahrens in Finnland ist lediglich, dass der Wohn- oder Unternehmenssitz des Schuldners in Finnland liegt. Wie das deutsche Recht sieht auch das finnische nur Mahnverfahren auf Basis von Geldforderungen vor. Die Zuständigkeit liegt zunächst beim Amt für Beitreibung und Vollstreckung, welches auf Antrag eines Gläubigers die Zahlungsaufforderung und eine Empfangsbestätigung an den Schuldner sendet. Kommt der Schuldner den Forderungen nach und bezahlt, steht der Gläubiger in der Pflicht, seinen Antrag beim Amt für Beitreibung und Vollstreckung direkt zurück zu nehmen. Wenn nur ein Teil der geforderten Summe gezahlt wird, ist auch hierüber das Amt zu unterrichten. Dem Schuldner steht es auch zu einen Einwand gegen die Forderung vorzubringen. In diesem Fall wird der Gläubiger vom Amt informiert und kann über seine weitere Vorgehensweise entscheiden. Er hat nun das Recht, seinen Anspruch gerichtlich geltend zu machen. Reagiert der Schuldner nicht auf die Zahlungsforderung des Amtes, erwirkt dieses einen Vollstreckungstitel, der die Verpflichtung zur Zahlung erklärt. Da innerhalb des Mahnverfahrens nicht geprüft wird, ob der Anspruch des Gläubigers gerechtfertigt ist, kann der Schuldner Einspruch gegen einen erwirkten Titel einlegen und eine gerichtliche Prüfung veranlassen.

Gibt es eine Möglichkeit zur kurzfristigen Sicherung der Ansprüche in Finnland?

Nach finnischem Recht ist es wie auch in Deutschland möglich, eine vorläufige Sicherung von Ansprüchen vorzunehmen. Dies kann notwendig werden, wenn Sie befürchten, dass Ihr Schuldner versuchen könnte, der Zahlungspflicht zu entgehen, indem er Vermögen beiseiteschafft. Finnische Gerichte haben die Möglichkeit, kurzfristige Maßnahmen einzuleiten, die es dem Schuldner beispielsweise untersagen, über bestimmte Vermögenswerte zu verfügen. Hierbei gilt es für den Gläubiger zu beachten, dass Konsequenzen folgen, sollte sich diese Maßnahme im Nachhinein als ungerechtfertigt herausstellen.